Interview mit Andrea Gruhler – alias Clown Amanda

Clown Amanda
Bildrechte: Andrea Gruhler

Grüß Gott, Frau Gruhler, Sie sind Pfarrfrau und waren früher Krankenschwester. Wie sind Sie dazu gekommen, eine Ausbildung als Clown zu machen?
Schon als Jugendliche war es für mich selbstverständlich, mich in meiner Kirchengemeinde zu engagieren. Über Jahrzehnte war ich in der Kinderarbeit tätig und habe bei der Gestaltung von Familiengottesdiensten mitgewirkt.
Vor 13 Jahren wurde ich gefragt, ob ich zu einem Thema in die Rolle eines Clowns schlüpfen würde.
Das war der Anstoß, mich anschließend noch intensiver mit der Clownsfigur zu beschäftigen.
Es folgte eine Ausbildung zum Clown in der Medizin, Therapie und Pädagogik, über drei Semester.

Sie treten als Clown statt im Zirkus im Krankenhaus, im Gottesdienst oder im Altenheim auf, Orte, an denen viele einen Clown erst einmal nicht erwarten würden.
Schon bei meinem ersten Auftritt als Clown, spürte ich, dass der Clown über den Spaß hinaus, die Seele der Menschen berühren kann. Der Clown ist nicht nur Spaßmacher, sondern kann durch seine Leichtigkeit auch eine neue Blickrichtung eröffnen.
Und die Senioren? Als ich erzählt habe, dass ich Sie als Kirchenclown in den Festgottesdienst bei unserem Gemeindefest einladen möchte, war mancher skeptisch, ob das nicht vielleicht nur etwas für Kinder ist.
Dieser Meinung begegne ich leider sehr oft!
Im Seniorenheim mache ich aber immer wieder die Erfahrung, dass gerade die Senioren sehr zugänglich sind. Es passiert mir regelmäßig, dass Menschen, die sonst kaum mehr Reaktionen zeigen, auf einmal Tränen in den Augen haben, lächeln, oder sogar versuchen ein Lied mit mir singen.
Auch für die Pflegenden und Angehörigen ist das immer wieder ein berührender Moment!

Was können Sie als Clown, was andere so nicht können?
In der Rolle als Clown kann ich Menschen auf einer anderen Ebene berühren.
Ein Clown kann auf einfache und humorvolle Art, die biblische Botschaft vermitteln, dass kleine und grosse Menschen sie verstehen.
Ein Clown darf auch mal Fragen stellen, oder Dinge sagen, die sonst nicht angesprochen werden.

Sie sind Pfarrfrau und Ihr Glaube spielt – vermute ich einmal – eine wichtige Rolle in Ihrem Leben. Beeinflusst das Ihr Clown-Sein?
Absolut!
Ich bin Christ und deshalb ist es mir auch als Clown ein Bedürfnis, Gottes Liebe und Menschenfreundlichkeit unter die Menschen zu bringen.
Als Kirchenclown habe ich eine besondere Form der Verkündigung entdeckt.
Nach einer Clownspantomime sagte ein Gottesdienstbesucher zu mir: "Ich habe noch nie eine so gute Predigt gesehen wie heute!"

Vielen Dank für das Interview und ich freue mich schon sehr auf den Gottesdienst am 21. Juli in Weiherhof mit Ihnen.
Pfarrerin Jessica Tontsch

Plakat für das Gemeindefest
Bildrechte: Jessica Tontsch