St. Rochus in Zirndorf
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Die Zirndorfer Stadtkirche St. Rochus

Geschichtliche Entwicklung

Am 29.4.1306 verkauft der Zirndorfer Reichsministeriale Heinrich von Berg die Alte Veste – damals hieß sie noch Burg Berch – an den Burggrafen von Nürnberg. Zuvor schon hatte er sie an den Nürnberger Finanzmann Groß verpfändet. Bestätigt wird in der Verkaufsurkunde ein bereits bestehendes Holzrecht des Pfarrers, " der danne singet vnd der pharre phliget ze Zorndorf daz i(h)n von alter sein recht ist gewesen".
Nach dem Kirchenrecht ging es damals um eine Pfarrkirche mit Öffentlichkeitsrecht, dokumentiert dadurch, dass darin die Messe gesungen wurde. Aus dieser Urkunde geht aber hervor, dass diese Kirche bedeutend älter ist. Dies zeigt sich, als am 13.5.1422 Johannes, Bischof von Würzburg, die Filialkirche St. Matthäus in Vach von der Zirndorfer Mutterkirche trennt. Da die Vacher Tochterkirche nachweisbar zwischen 1057 und 1075 von Bischof Gundekar II. von Eichstätt geweiht worden war, muss zu diesem Zeitpunkt auch bereits die Zirndorfer Mutterkirche bestanden haben.

Sie war Eigentum des Domstiftes Eichstätt, dem das Patronatsrecht zustand, vermutlich schon seit ihrer Gründung, wenn es in einer Urkunde heißt "ab antiquo" (von alters her). Es muss zu einem uns nicht bekannten Zeitpunkt an den Bischof von Würzburg übergegangen sein, der es am 15.7.1343 dem Domstift zurückgab.

1412 liegen die Patronatsrechte beim Burggrafen von Nürnberg, wie aus dem Wappen der Burggräfin Else aus dem Hause Bayern – Landshut am Turmportal hervorgeht. Die Rechte verbleiben dann beim Haus Brandenburg – Hohenzollern, das auch die Baulast hat, wie die Inschrift der durch Markgraf Georg Friedrich 1703) erneuerten Barockportale bezeugt: Symbol, Boni Principis GFMB = Zeichen des guten Herrschers Georg Friedrich, Markgrafen von Brandenburg, Pietas tutissima Virtus = Frömmigkeit ist die sicherste Tugend.

1792 kamen das Patronatsrecht und die Baulast durch den Verkauf des Fürstentums Brandenburg – Ansbach an Preußen, 1805 an das Königreich Bayern. Deshalb ist der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger heute noch für Reparaturen und bauliche Veränderungen verantwortlich.

Am 31.5.1321 überträgt der Burggraf von Nürnberg, Friedrich als Patron dem "Altar der Heiligen Clemens und Blasius in

 

Cirrendorf, des Papstes und des Märtyrers", die Einkünfte aus einem Rodungszehnt in Wintersdorf. Bei der Vacher Kirchentrennung 1422 und 1471, als ein Urban Rudolt der Kirche einen ewigen Gulden vermacht, wird nur noch St. Clemens als Kirchenpatron genannt. Aber noch 1684 stehen die Schnitzfiguren der beiden Heiligen im Schrein des gotischen Hochaltares, der kurz darauf entfernt wurde.

Der heutige Schutzheilige der Kirche ist St. Rochus, der Pestheilige, der 1327 starb. Seine Verehrung kommt in Italien erst 1474 – 77 während der großen Pestwelle in Gang, erreicht um 1480 Deutschland, wo 1482 in Wien die Übersetzung einer lateinischen Rochusbiographie des Humanisten Diedo erscheint, die bei der nächsten Pestepidemie 1483/84 in Nürnberg nachgedruckt wird. Zwischen 1485 und 1490 stiftet dann auch die Familie Imhoff den Rochusaltar in der Nürnberger Lorenzkirche. 1517/18 kommt es zum Beschluss des Nürnberger Rates, den Rochusfriedhof anzulegen. Der Wechsel des Zirndorfer Kirchenpatroziniums von Clemens auf Rochus muss demnach zwischen 1483 und der Einführung der Reformation im Fürstentum Brandenburg – Ansbach im Jahre 1528 stattgefunden haben, wahrscheinlich bei der Kirchenerweiterung 1510, da die Verlegung des Altares an den heutigen Platz nach dem Kirchenrecht eine Neuweihe erforderlich machte.

Die Zirndorfer Kirche gehörte seit dem Mittelalter zum Dekanat Langenzenn, war ab 1702 Sitz des Prodekans, ab 1801 Sitz des Dekans, bis 1885 der Dekanatssitz nach Fürth verlegt wurde.

Zur Pfarrei Zirndorf gehörten bis ins 19. Jahrhundert die Orte Zirndorf, Banderbach, Weiherhof, Bronnamberg, Leichendorf, Wintersdorf, Lind, Anwanden; Dambach bis zum Bach an der Ortsmitte; Ober-, Unterasbach, Altenberg, Kreutles, Neumühle, Rehdorf, Stein, Unterdeutenbach, Ober- und Unterweihersbuch. Fast alle entrichteten ihren Kirchenzehnten nach Eichstätt, was wiederum auf eine sehr frühe Gründung der Pfarrei Zirndorf hinweist.

Stein wurde 1880 eigene Pfarrei, Dambach 1958. In Oberasbach wurde die mittelalterliche Filialkirche St. Lorenz bis zu ihrer Selbständigkeit im Jahre 1961 von Zirndorf aus betreut. 1963 kam es zur Errichtung der Pfarrei Unterasbach. Oberweihersbuch folgte 1964, Altenberg 1972.

nach Helmut Mahr

 
 

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