Der Kirchturm von St. Rochus

Baugeschichte - Historische Ansicht des Kirchturms
Bildrechte: St. Rochus in Zirndorf

Am 11. September des Jahres 1388 zerstörten im Rahmen des Krieges zwischen den Schwäbischen Städten - zu diesem sog. Schwäbischen Städtebund gehörte auch die freie Reichsstadt Nürnberg - und den süddeutschen Fürsten Nürnberger Söldner die dem Burggrafen von Nürnberg gehörende Burg auf der Alten Veste. Dabei wurden - so der Chronist Ulmann Stromer - auch die umliegenden Dörfer niedergebrannt. Zirndorf gehörte sicherlich dazu.

Die Zirndorfer zogen aus dieser Katastrophe die entsprechenden Konsequenzen und begannen - um gegen künftige Überfälle gewappnet zu sein - damit, ihre Kirche zu einer Wehrkirche auszubauen. Der gesamte Kirchenbereich wurde mit einer Mauer umgeben.
Der Eingang in diese Befestigungsanlage war dort, wo sich noch heute der Hauptzugang zum Kirchplatz (links vom später errichteten Messnerhaus) befindet. Den Eingangsbereich bildete ein Torturm, in dessen Obergeschoss der Totengräber seine Wohnung hatte.
Reste dieser Verteidigungsanlage sind noch heute in der Roten Gasse zu sehen.

In gefährlichen Zeiten konnten nun die Zirndorfer ihren beweglichen Besitz - in erster Linie Hausrat und Vieh hinter den Mauern der Kirchenburg in Sicherheit bringen. Näherte sich ein Feind, flüchteten die Einwohner hinter die schützenden Mauern und verteidigten sich. Um aber eine drohende Gefahr rechtzeitig erkennen zu können, errichteten die Zirndorfer gleichzeitig mit der Ummauerung einen neuen Kirchturm, der auch als Aussichtsturm fungierte, von dem man weit ins Land hineinschauen und rechtzeitig herannahende Feinde erkennen konnte.

Dieser Turm wurde der wesentlich älteren Westfassade der Kirche vorgeblendet. Er besitzt vier Geschosse und weist bis zum Dachansatz eine Höhe von 28 m auf. Die ursprüngliche Turmspitze bestand aus einer hochgezogenen Pyramide umgeben an den Ecken von vier kleinen Türmchen (vergleichbar dem Kirchturm in Burgfarrnbach).

Alle Geschosse sind mit Blendfriesen aus dreiteiligen Spitzbogen, Maßwerkstäben und Konsolplastiken versehen, doch nur auf der Südseite sind die aus weichem Sandstein gefertigten Plastiken noch erkennbar. Wir sehen

 

(von links nach rechts) zwei Fratzengesichter, einen Engelskopf und als Abschluss nahe bei der hinteren Pforte ein männliches Gesäß, den sog. - Zirndorfer Arsch -. Dieser so der mittelalterliche Glaube soll die bösen Geister von der Kirche fernhalten.

Das spitzbogige reich gegliederte Westportal mit einem Holztor noch aus der Bauzeit wird seitlich flankiert von den Wappen des Burggrafen Friedrich VI und seiner Gattin, der schönen Else von Bayern-Landshut (mit Helmzier).
über dem Portal die Jahreszahl 1412 als Beleg für die Fertigstellung des Turmes.
Der Burggraf als Patron der Kirche hat sicherlich mit erheblichen finanziellen Mitteln beigetragen, das Werk in die Tat umzusetzen. Ihm war natürlich auch an der Sicherheit und am Wohlstand seiner Untertanen gelegen, denn wer alles verloren hat, kann ja keine Abgaben leisten.
Dieser Friedrich VI aus dem Hause Hohenzollern wird 1415 zum Kurfürsten von Brandenburg ernannt und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu Aufstieg seines Hauses, der über die Preußische Königskrone bis zur Kaiserkrone des Deutschen Reiches führte.
über 350 Jahre prägte nun der Turm in dieser Form das Bild des Dorfes.

Baugeschichte - Heutige Ansicht des Kirchturms
Bildrechte: St. Rochus in Zirndorf

Dann am 15. Juni des Jahres 1783 um 8 Uhr hat während eines schweren Gewitters ein Blitz die Turmspitze stark beschädigt. Man musste sie abtragen und durch ein Notdach ersetzen.

Erst fünf Jahre später erging die markgräfliche Order, den Turm wieder vollständig herzustellen.

Und nun erhielt der Kirchturm von St. Rochus seine heutige Form, ein barockes achteckiges gerundetes Dach mit schwarz glasierten Ziegeln, eine begehbare Laterne mit Kupferkuppel, darüber einen silbernen Knopf zur Aufbewahrung von Dokumenten zur Baugeschichte, und schließlich einer Wetterfahne mit man hat aus dem Unglück gelernt einem Blitzableiter.

Walter Kress

Ein Artikel von Reinhard Eisenberg zur Kirchweih 2018